Freitag, 28. März 2014

Zeit



Hallo liebe Blogleser!

Seit langem lasse ich heute mal wieder von mir hören. Seit ich das letzte Mal geschrieben habe ist über ein Monat vergangen. Sybille, eine ehemalige Freiwillige des Happy Home hat uns in der Zwischenzeit eine Woche lang besucht, und die Kinder damit überrascht. Ich war die Einzige, die im Voraus wusste, dass sie kommen wird. Meine kenianische Kontaktperson hatte die Verbindung hergestellt. 

Gleich im Anschluss daran hat mich Jana eine Woche lang besucht. Da sie in Nairobi in einem Projekt ist, ist das Leben auf dem Land natürlich etwas ganz anderes. Aber ich glaube es hat ihr gefallen und es war richtig toll ihr zu zeigen, wie ich hier lebe, und einfach mal jemanden da zu haben und zu quatschen. 

Am ersten März war ich mit meinen Kids auf einem Kirchentag in einem Collage. Die Veranstalter waren SDA und wir haben zusammen den Sabbat gefeiert. Ging von morgens um 8 bis abends um 5. Da ich größtenteils nichts verstanden habe war es teilweise ziemlich anstrengend sich zu konzentrieren, aber es war trotzdem ein toller Tag, vor allem die Kinder haben den Ausflug sehr genossen. Sonst kommen sie eigentlich nie in die Stadt.
Was mich dann aber doch ein bisschen schockiert hat war der Zeitpunkt, an dem die Kids auf die Bühne gerufen worden um sich aufzustellen. Dann durfte sich jeder Erwachsene aus der Kirche (der wollte) ein Kind aussuchen und war jetzt quasi der „Vater“ die „Mutter“. Ich weiß nicht so recht, wie die Kinder sich auf der Bühne gefühlt haben. Den Rest des Tages saßen sie dann bei ihren „Eltern“. Am Ende haben sie Seife, Klopapier, Stifte, Süßigkeiten und Kleider bekommen.

Das ganze findet wohl immer zwei Mal im Jahr statt. Einmal in der Kirche, und einmal im Kinderheim. Die Kinder haben die Abwechslung genossen und einige „Eltern“ besuchen ihre Kinder sogar manchmal hier. Für mich hat das ganze aber bei manchen ein bisschen gewirkt wie „die gute Tat am Samstag..“

Seit dem hatte ich eigentlich nur Alltag im Happy Home. In der Schule finde ich mich mittlerweile sehr gut zurecht, ich springe immer da ein, wo gerade ein Lehrer fehlt und wiederhole die Themen oder bringe neue Themen bei.

Mitte März mussten wir verbliebenen Freiwilligen dann mal wieder nach Nairobi um unsere Spezialpässe zu bekommen. Als wir im Februar da waren hatte ich eigentlich gehofft  bis April in Stella sein zu können, aber so musste ich eben wieder einmal die lange Fahrt nach Nairobi auf mich nehmen. Wir haben nun ein Visum und eine Arbeitserlaubnis bekommen, leider nur für einen Monat. Danach müssten eigentlich wir das endgültige Visum bis August bekommen. Trotz dass ich eigentlich nicht nach Nairobi wollte war es dann richtig schön dort. Sich wieder mit den anderen Freiwilligen zu treffen, und ein bisschen Stadtleben zu genießen nach einem Monat Abgeschiedenheit im Dorf.

Jetzt ist schon Ende März, das heißt ich bin seit knapp 8 Monaten in Kenia. WAHNSINN!!! Und habe aber auch nur noch ein bisschen mehr als vier Monate vor mir. Die Zeit vergeht so schnell.. Heute in 2 Wochen kommen meine Eltern und meine Brüder zu Besuch. Ich bin total gespannt was sie zu Kenia sagen werden, was ihnen auffällt und mir schon nicht mehr.. und wenn sie nach 2 Wochen wieder gehen ist schon Ende April.. Ich komme da noch nicht drauf klar, dass die Zeit so unglaublich schnell verfliegt.

Ich wünsche allen eine gute Zeit und schön weiterhin auf meinem Blog vorbeischauen ;)
Liebe Grüße
Steffi!

Dienstag, 18. Februar 2014

nummer drei an einem Tag

Hallo ihr Lieben!
heute gibt es gleich drei neue Blogeintraege von mir :)
Das Erste war das weltwaerts Halbjahresbericht an den ICJA, den ihr natuerlich auch lesen duerft ;)
dann dachte ich, es ist mal wieder Zeit fuer ein paar Bilder. Da ich gerade im Internetcaffe bin, konnte ich sie endlich hochladen.

Jetzt noch ein paar direkte Worte an euch. Ich moechte mich endlich ganz persoenlich dafuer bedanken, dass viele von euch Muetzen von Mama gekauft haben, und somit das Happy Home unterstuetzt haben. Ein grosses Dankeschoen an alle, die etwas gespendet haben! Es ist eine tolle Summe Geld zusammen gekommen, die wir gut nutzen koennen hier. Einen Teil des Geldes haben wir schon verwendet, um Schulschuhe fuer die Kinder zu kaufen. (siehe Bild) Sie mussten bisher barfuss, oder in alten schlechten Schuhen zur Schule. Jetzt hat jedes Kind ein neues  Paar Schuhe fuer die Schule. (gebraucht vom Markt gekauft, aber in sehr gutem Zustand) Wir hatten eine sehr witzige, originelle Art diese Schuhe zu kaufen, denn  wir konnten nicht mit den 30 Kindern in die Stadt fahren. Das waere schon vom Transportgeld nicht moeglich gewesen, ausserdem hatten sie Unterricht.
Also, wir haben am Abend vor dem Einkauf Stoecke aus dem Garten geholt. Dann hat jedes Kind einen Stock in seiner Fusslaenge zurecht geschnitten. Ich bin dann am naechsten Tag  mit 30 Stoecken in die Stadt gefahren und habe sie in die Schuhe gesteckt. Hatte es gepasst, haben wir den Schuh mitgenommen :D

So hatte dann am Ende jedes Kind einen passenden Schulschuh. Ich bin sehr dankbar dafuer, dass Mama so viele Muetzen gemacht hat und genauso toll finde ich es, dass so viele gekauft wurden! Mit dem restlichen Geld werde ich etwas auf die Beine stellen, was laenger zur Verfuegung stehen wird. Was genau ist noch nicht ganz entschieden.

So, jetzt noch eine etwas schlechte Nachricht. Hier in der Gegend hat es seit langer Zeit nicht mehr geregnet. Die Trinkwassertonnen im Heim sind leer und auch der Brunnen hat kaum noch Wasser. Deshalb muessen die Kinder jetzt schon um vier Uhr morgens aufstehen, um Wasser zu beschaffen fuer den ganzen Tag. Viele von ihnen klagen auch schon ueber Kopfschmerzen, weil es einfach nichts mehr zu trinken gibt. Zudem ist es halt so heiss hier. Wir hoffen alle auf baldigen Regen. In Nairobi regnet es unfairerweise taeglich in letzter Zeit.

Ganz liebe Gruesse und vielen Dank fuers Lesen,
aus dem sonnigen,trockenen und heissen Migori!
Eure Steffi

Bilder :)

Die stolzen Kinder, nachdem sie ihre neuen Schulschuhe bekommen haben

Ein Kind beim Kochen von Ugali

eine der "Grossen" und ich in der Kueche



Githeri for Lunch :) mein Lieblingsessen!

Wasser holen am Brunnen         









Halbjahresbericht!



Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen, dass ich den 3-Monats Bericht für weltwärts geschrieben habe. Dabei ist es jetzt schon wieder 3 Monate her. Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Es kommt mir sogar fast so vor, als wäre ich gerade erst angekommen in Kenia. 

Auf der einen Seite habe ich das Gefühl, dass ich schon ewig hier bin, dass ich schon total viel über Kenia gelernt habe, viel weiß und mich nichts mehr überraschen kann, aber auf der anderen Seite ist die Zeit wie im Flug vergangen und jetzt ist schon Halbzeit.

Die Zeit läuft ab jetzt rückwärts, ich werde nie wieder so viel Zeit in Kenia vor mir haben, wie ich schon hinter mir habe. Eine erschreckende Erkenntnis. Seit dem letzten Bericht ist einiges passiert. Ich bin nun vollkommen in meinem Projekt angekommen. Ich liebe die Arbeit mit den Kindern und meinen Kollegen im Kinderheim. Es macht mir jeden Tag eine unglaubliche Freude, mit Kinderstimmen aufzuwachen und erst wieder ins Bett zu gehen wenn sie langsam verklingen. 

Ich habe jetzt auch angefangen in der Schule der Kinder zu arbeiten, es gab anfangs eine etwas größere Verwirrung, was Arbeitszeiten anging und was von mir erwartet wurde, doch durch Gespräche konnte ich klar machen, dass mein Hauptprojekt das Kinderheim ist, und dass ich in der Schule nur assistieren möchte. Außerdem musste ich erst einmal erklären, dass ich keine ausgebildete Lehrerin bin und 8. Klässler, die auf ihre Abschlussexamen vorbereitet werden müssen, nicht in Mathe und Physik unterrichten kann. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich meinen Platz in der Schule gefunden habe, aber diese Herausforderung macht mir Spaß.

Das ist sowieso ein Problem, auf das ich hier schon öfter gestoßen bin, dass man zu viel von mir erwartet. Dass man denkt, ich wüsste über alles bescheid. Ich muss dadurch immer öfter erklären, dass ich einfach nur eine Freiwillige bin, ohne Berufserfahrung, ohne Ausbildung, die gerade erst selbst die Schule  beendet hat.
Ansonsten begegne ich aber immer weniger Konflikten, ich kann die meisten Situationen mittlerweile einschätzen und weiß wie ich mit Heiratsanträgen, Geldbitten und kleinen Vorurteilen umgehen muss, und wie man effektiv handelt.

Die meiste Zeit kann ich mit den Kindern am Wochenende verbringen, da sie dann nicht in der Schule sind. Da ich jetzt aber auch an drei Tagen selbst in der Schule arbeite, kann ich auch unter der Woche viel Zeit mit ihnen verbringen. Ansonsten helfe ich viel bei der „manuelwork“ im Projekt, und beim Kochen. Am Wochenende kann ich dann mit den Kindern spielen, wir gehen auf „naturewalks“ oder zusammen in die Kirche. Ich habe einfach viel Zeit, mich mit ihnen zu beschäftigen, ihnen bei ihren Arbeiten zu helfen oder bei den Hausaufgaben. 

Was mich total freut ist, dass mir alles hier mittlerweile einfach absolut normal vorkommt. Ich denke über meinen Alltag kaum noch nach. Ich weiß, wann ich was zu tun habe, wann ich wo helfen kann und wo meine Hilfe gebraucht wird, auch wenn man es mir nicht sagt. 

Gerade in den letzten Wochen habe ich meine Zeit hier neu zu schätzen gelernt. Wir Kenia-Freiwilligen hatten ein Visums-Problem und wurden auch mit einem möglichen Ende unseres Freiwilligendienstes konfrontiert. Die Zeit des Abwartens, ob wir wohl bleiben dürfen, oder nicht, war sehr quälend, aber dadurch wurde mir sehr positiv bewusst, wie viel mir dieses Jahr hier wert ist.

 Ich habe mir die vergangenen sechs Monate sehr oft ins Gedächtnis gerufen und mir Bilder vom Anfang angeschaut. Ich kann jetzt schon sehen, dass ich mich verändert habe, dass ich viele Dinge ganz anders betrachte als am Anfang und vieles viel mehr zu schätzen weiß. Nicht nur das, was ich hier habe, sondern auch Dinge, die ich in Deutschland habe und hier eben nicht. Ich habe wahnsinnig viel über mich herausgefunden in diesen vergangenen sechs Monaten und denke, dass ich wenn ich in sechs Monaten nach Hause fahren werde, sehr reich an Erfahrungen sein werde. Dieses Visums-Problem hat mir gezeigt, dass es genau die richtige Entscheidung war, ein ganzes Jahr ins Ausland zu gehen. 
 
Das midterm camp liegt auch schon hinter uns, es war sehr interessant, noch einmal in derselben Konstellation zu sein wie am Anfang bei der Ankunft. Jeder konnte seine Erfahrungen, Probleme, Konflikte und Erfolge in der Gruppe beitragen, und es war toll zu sehen, dass jeder einmal alles erfahren hat, egal in welchem Teil Kenia und welchem Projekt er sich befunden hat. 

In der letzten Woche wurden unsere Form 1 Schüler aus dem Heim in ihre neuen Internate gebracht, damit sie dort in die High-School können. Es war schon schwer, sie jeweils  alleine in der Schule zurück zu lassen, und zu wissen, dass man sie jetzt länger nicht mehr sieht. Sie sind mir in meiner Zeit hier im Happy Home sehr ans Herz gewachsen. Aber es war auch schön, sie so stolz in ihren neuen Uniformen zu sehen.
Ich schaue sehr positiv gestimmt auf die nächsten sechs Monate hier in Kenia. Ich habe noch einmal die gleiche Zeit vor mir, wie ich sie jetzt schon hier hatte, aber habe es im Gefühl, dass sie viel zu schnell vergehen wird. 

Am Ende kann ich dann hoffentlich auf ein wunderschönes Jahr, mit vielen positiven Erfahrungen zurück blicken und kann sagen, dass ich auch die schweren Zeiten gut überwunden habe. Wenn ich meine jetzige Situation hier in Kenia betrachte, dann mache ich mir darüber aber keine Sorgen!