Dienstag, 18. Februar 2014

Bilder :)

Die stolzen Kinder, nachdem sie ihre neuen Schulschuhe bekommen haben

Ein Kind beim Kochen von Ugali

eine der "Grossen" und ich in der Kueche



Githeri for Lunch :) mein Lieblingsessen!

Wasser holen am Brunnen         









Halbjahresbericht!



Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen, dass ich den 3-Monats Bericht für weltwärts geschrieben habe. Dabei ist es jetzt schon wieder 3 Monate her. Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Es kommt mir sogar fast so vor, als wäre ich gerade erst angekommen in Kenia. 

Auf der einen Seite habe ich das Gefühl, dass ich schon ewig hier bin, dass ich schon total viel über Kenia gelernt habe, viel weiß und mich nichts mehr überraschen kann, aber auf der anderen Seite ist die Zeit wie im Flug vergangen und jetzt ist schon Halbzeit.

Die Zeit läuft ab jetzt rückwärts, ich werde nie wieder so viel Zeit in Kenia vor mir haben, wie ich schon hinter mir habe. Eine erschreckende Erkenntnis. Seit dem letzten Bericht ist einiges passiert. Ich bin nun vollkommen in meinem Projekt angekommen. Ich liebe die Arbeit mit den Kindern und meinen Kollegen im Kinderheim. Es macht mir jeden Tag eine unglaubliche Freude, mit Kinderstimmen aufzuwachen und erst wieder ins Bett zu gehen wenn sie langsam verklingen. 

Ich habe jetzt auch angefangen in der Schule der Kinder zu arbeiten, es gab anfangs eine etwas größere Verwirrung, was Arbeitszeiten anging und was von mir erwartet wurde, doch durch Gespräche konnte ich klar machen, dass mein Hauptprojekt das Kinderheim ist, und dass ich in der Schule nur assistieren möchte. Außerdem musste ich erst einmal erklären, dass ich keine ausgebildete Lehrerin bin und 8. Klässler, die auf ihre Abschlussexamen vorbereitet werden müssen, nicht in Mathe und Physik unterrichten kann. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich meinen Platz in der Schule gefunden habe, aber diese Herausforderung macht mir Spaß.

Das ist sowieso ein Problem, auf das ich hier schon öfter gestoßen bin, dass man zu viel von mir erwartet. Dass man denkt, ich wüsste über alles bescheid. Ich muss dadurch immer öfter erklären, dass ich einfach nur eine Freiwillige bin, ohne Berufserfahrung, ohne Ausbildung, die gerade erst selbst die Schule  beendet hat.
Ansonsten begegne ich aber immer weniger Konflikten, ich kann die meisten Situationen mittlerweile einschätzen und weiß wie ich mit Heiratsanträgen, Geldbitten und kleinen Vorurteilen umgehen muss, und wie man effektiv handelt.

Die meiste Zeit kann ich mit den Kindern am Wochenende verbringen, da sie dann nicht in der Schule sind. Da ich jetzt aber auch an drei Tagen selbst in der Schule arbeite, kann ich auch unter der Woche viel Zeit mit ihnen verbringen. Ansonsten helfe ich viel bei der „manuelwork“ im Projekt, und beim Kochen. Am Wochenende kann ich dann mit den Kindern spielen, wir gehen auf „naturewalks“ oder zusammen in die Kirche. Ich habe einfach viel Zeit, mich mit ihnen zu beschäftigen, ihnen bei ihren Arbeiten zu helfen oder bei den Hausaufgaben. 

Was mich total freut ist, dass mir alles hier mittlerweile einfach absolut normal vorkommt. Ich denke über meinen Alltag kaum noch nach. Ich weiß, wann ich was zu tun habe, wann ich wo helfen kann und wo meine Hilfe gebraucht wird, auch wenn man es mir nicht sagt. 

Gerade in den letzten Wochen habe ich meine Zeit hier neu zu schätzen gelernt. Wir Kenia-Freiwilligen hatten ein Visums-Problem und wurden auch mit einem möglichen Ende unseres Freiwilligendienstes konfrontiert. Die Zeit des Abwartens, ob wir wohl bleiben dürfen, oder nicht, war sehr quälend, aber dadurch wurde mir sehr positiv bewusst, wie viel mir dieses Jahr hier wert ist.

 Ich habe mir die vergangenen sechs Monate sehr oft ins Gedächtnis gerufen und mir Bilder vom Anfang angeschaut. Ich kann jetzt schon sehen, dass ich mich verändert habe, dass ich viele Dinge ganz anders betrachte als am Anfang und vieles viel mehr zu schätzen weiß. Nicht nur das, was ich hier habe, sondern auch Dinge, die ich in Deutschland habe und hier eben nicht. Ich habe wahnsinnig viel über mich herausgefunden in diesen vergangenen sechs Monaten und denke, dass ich wenn ich in sechs Monaten nach Hause fahren werde, sehr reich an Erfahrungen sein werde. Dieses Visums-Problem hat mir gezeigt, dass es genau die richtige Entscheidung war, ein ganzes Jahr ins Ausland zu gehen. 
 
Das midterm camp liegt auch schon hinter uns, es war sehr interessant, noch einmal in derselben Konstellation zu sein wie am Anfang bei der Ankunft. Jeder konnte seine Erfahrungen, Probleme, Konflikte und Erfolge in der Gruppe beitragen, und es war toll zu sehen, dass jeder einmal alles erfahren hat, egal in welchem Teil Kenia und welchem Projekt er sich befunden hat. 

In der letzten Woche wurden unsere Form 1 Schüler aus dem Heim in ihre neuen Internate gebracht, damit sie dort in die High-School können. Es war schon schwer, sie jeweils  alleine in der Schule zurück zu lassen, und zu wissen, dass man sie jetzt länger nicht mehr sieht. Sie sind mir in meiner Zeit hier im Happy Home sehr ans Herz gewachsen. Aber es war auch schön, sie so stolz in ihren neuen Uniformen zu sehen.
Ich schaue sehr positiv gestimmt auf die nächsten sechs Monate hier in Kenia. Ich habe noch einmal die gleiche Zeit vor mir, wie ich sie jetzt schon hier hatte, aber habe es im Gefühl, dass sie viel zu schnell vergehen wird. 

Am Ende kann ich dann hoffentlich auf ein wunderschönes Jahr, mit vielen positiven Erfahrungen zurück blicken und kann sagen, dass ich auch die schweren Zeiten gut überwunden habe. Wenn ich meine jetzige Situation hier in Kenia betrachte, dann mache ich mir darüber aber keine Sorgen!


Sonntag, 9. Februar 2014

Visumsproblem und Halbzeit!!



Hallo ihr Lieben!

Seit meinem letzten Blogeintrag ist ganz  viel passiert hier…
Ich versuche kurz alles zu erklären, aber es würde echt lange werden, wenn ich ausführlich beschreiben würde. Also ich fange am besten mal beim Midterm camp an. Ich hatte ja schon beschrieben, was wir dort gemacht haben und weshalb wir uns getroffen haben. Allerdings habe ich nicht erwähnt, dass es die meiste Zeit eine Diskussion über unser Visum und unsere Arbeitserlaubnis  gab. Das Problem war nämlich, dass unser Visum am 09.02. abläuft und wir dann illegal hier wären, wenn wir die work permit nicht bekommen bis dahin, da das Visum nur einmal verlängert werden kann und das war im November, nach drei Monaten. Das hat uns alle natürlich sehr beunruhigt, da es dieses Jahr große Probleme für ICYE darstellte diese permits zu bekommen.  

Die nächsten drei Wochen waren sehr qualvoll für uns. Wir wussten nicht, was auf uns zukommen würde, wie sich die Sache regeln würde, ob ICYE die Arbeitserlaubnis noch bekommen würde, oder ob wir heimfahren müssten. Ihr könnt euch nicht vorstellen was es für eine psychische Herausforderung ist, nicht zu wissen wo man in einer Woche sein wird. ICJA und ICYE haben alles gegeben um uns auf dem Laufenden zu halten und Erfolg zu haben, haben uns aber auch immer gesagt, dass es auch bald vorbei sein könnte. Wir haben bis zum 3. Februar, also 5 Tage vor möglichem Abflug nicht gewusst, ob wir in Kenia bleiben können oder nicht. Das hat mich und viele andere schon sehr belastet. 

Am Montag kam dann jedoch die erlösende Nachricht, dass wir bleiben können, wenn wir für einen Monat einen Spezialpass bezahlen, bis dann unsere permits da sind. Ich habe mich dazu entschieden dies zu machen. Für mich wäre es niemals in Frage gekommen, freiwillig meinen Traum Kenia und mein Jahr hier aufzugeben. Ich war so unendlich erleichtert und glücklich, als ich erfahren habe, dass es einen Weg gibt, zu bleiben. Leider haben sich aber 6  meiner Mitfreiwilligen dazu entschieden, ihren Aufenthalt in Kenia abzubrechen. Sie sind gestern nach Hause geflogen. Darunter waren auch der Mitfreiwillige aus meinem Projekt und die anderen aus meiner Gegend. 

Ich habe die letzten Tage also in Nairobi verbracht, um die anderen zu verabschieden. Ich muss noch einmal wiederholen, wie unglaublich erleichtert und froh ich bin, dass ich nach der quälenden Zeit des Wartens, doch noch bleiben darf. Dadurch wurde mir sehr bewusst, wie sehr ich Kenia liebe, wie sehr ich die Zeit hier genieße und wie schwer es wäre frühzeitig nach Hause zu müssen. 

Natürlich vermisse ich auch viele Dinge und vor allem Menschen zu Hause, aber ich weiß ja, dass ich zurückkommen werde im August. Dass ich aber diese Chance Kenia nie wieder bekommen werde.. es ist eine unglaubliche Chance ein Jahr in Afrika verbringen zu dürfen und ich bin so unendlich froh, dass sich alles so geregelt hat, dass ich das nun auch wirklich kann.

Heute bin ich übrigens genau seit 6 Monaten hier!! Ich habe Halbzeit und ab jetzt läuft die Zeit rückwärts.. es geht dem Ende zu.. aber ich habe noch 6 Monate, und das zu wissen, ist das beste Gefühl, das ich haben kann! 

Ganz liebe Grüße aus Stella,
Steffi

Dienstag, 21. Januar 2014

Alltag im Happy Home und Midterm camp



Hallo liebe Blogleser,

seit Anfang Januar bin ich jetzt schon wieder im Happy Home und es ist mal wieder Zeit für einen Blogeintrag. 

Als ich ankam war noch niemand da außer mir, weil die Kinder erst am nächsten Tag zurückkommen sollten. Ich wollte aber schon ein Tag früher da sein, weil ich mich auf alles vorbereiten wollte. Ich habe also den Schlüssel abgeholt und mich komplett eingeschlossen, um die erste Nacht alleine in dem großen Haus zu verbringen. Ich sage euch, ich hatte Angst, es war soooo  gruselig, alleine in dem Haus, absolute Stille und über mir sind die ganze Zeit die Ratten auf dem Dachboden herum gelaufen. Vor allem weil mein Dorf nicht gerade die sicherste Gegend ist, habe ich mir die ganze Zeit vorgestellt was alles passieren könnte. Ich konnte mich dann aber beruhigen, es war ja nur für eine Nacht…dachte ich! 

Am nächsten Tag kam dann nämlich niemand. Also habe ich eben den Tag über alles vorbereitet, und dachte „morgen werden sie dann schon kommen!“ Am Sonntag kam dann auch endlich ein Onkel vorbei und hat mir gesagt, dass die Kinder erst am Mittwoch kommen. Na toll! Da hatte ich also noch 3 Nächte alleine vor mir und 3 langweilige, einsame Tage. So hatte ich mir den Wiederbeginn nicht vorgestellt. Mein Mitfreiwilliger hatte schon vorher entschieden, vor dem Midtermcamp gar nicht mehr wieder zu kommen. Irgendwie habe ich die Tage und Nächte dann aber doch überstanden und am Dienstag sind dann sogar schon die ersten Kinder gekommen. Damit hat dann der Alltag wieder angefangen. 

Ich stehe immer so um viertel vor sieben auf, damit ich um sieben bei den Kindern sein kann. Unter der Woche gehen die meisten dann bald darauf in die Schule und ich bleibe mit den größeren, die schon fertig mit der primary sind, zurück. Der Tag beginnt dann immer mit einer Tasse Chai (Schwarztee mit Milch und Zucker) als Frühstück. Danach helfe ich den Großen bei ihren Arbeiten die sie zu tun haben, wie putzen, Gemüse schneiden, waschen usw. Oder wir spielen „Mensch-ärgere-dich-nicht!“ was hier im Moment der absolute Renner ist. Die Kinder nennen das Spiel „LUDO“. Ein Tag kommt dann meistens auf mindestens 10 Runden Ludo bei mir.
Gegen Mittag bereiten wir dann das Mittagessen in der Feuerküche vor. Eigentlich immer Ugali mit Sukumawiki. Um halb eins kommen dann die kleineren Kinder von der Schule und es gibt um viertel vor eins Mittag essen. Die erste Mahlzeit am Tag. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, was wir alle für einen Hunger haben dann. Am Wochenende gibt es das erste Essen immer so um  zwei..Danach gehen sie wieder zur Schule und die größeren Mädels und ich schneiden den Sukuma für das Abendessen. 

Danach sind meistens die größten Arbeiten getan und wir beschäftigen uns mit Spielen, reden oder wandern. Wenn dann um halb fünf die Schulkinder wieder kommen ist erst einmal eine kurze Bewegungs- und Spiel Phase für sie, dann geht es zu den Hausaufgaben, bei denen ich sie meistens beaufsichtige oder unterstütze. Um kurz vor 19 Uhr gibt es dann Abendessen (Ugali und Sukuma) und dann werden die Hausaufgaben fertig gemacht, wir spielen noch etwas, dann wird gesungen, getanzt, getrommelt und gebetet und dann gehen die Kinder gegen halb neun ins Bett, und ich auch.

Soviel zu meinem Alltag. Wirklich überbeschäftigt bin ich nicht, weshalb ich demnächst auch in der Schule anfangen möchte zu arbeiten. 

Am 11. Januar bin ich früh morgens aufgebrochen um zum Midtermcamp nach Nairobi zu fahren. Um acht ging dann der Bus in Migori, nach Nairobi. Da ich ganz im Süd-Westen, an der Tansanianischen Grenze wohne ist es immer eine sehr weite Strecke nach Nairobi. Um halb fünf kamen wir dann aber endlich an. Ich habe dort dann Jana, eine Klassenkameradin vom Grimmels getroffen und eine Nacht in ihrer Gastfamilie geschlafen. Es war sehr schön, sie mal wieder zu sehen. Am nächsten Morgen sind wir beide dann mit Fariha und Lara auf eine Slumtour im zweit größten Slum Kenias gegangen. Ein Co-worker von unserer Oganisation, der einmal dort lebte hat uns herum geführt. Es war sehr schlimm zu sehen in was für ärmlichen Verhältnissen die Menschen dort leben müssen und die unbekümmert die Kinder trotzdem in dem ganzen Müll spielen..

Am Nachmittag sind wir von ICYE dann zu dem Kloster gefahren, in dem das Camp stattfand. Das man nur flüstern durfte hat einigen Probleme bereitet. Die Mönche mussten uns deshalb immer wieder ermahnen. Fariha und ich haben das einzige Doppelzimmer bekommen das es in dem Kloster gab, und hatten sogar ein eigenes Bad :D alle anderen mussten in Einzelzimmern schlafen. 

Alles in allem war das Camp sehr gut, es war toll alle Freiwillige einmal wieder zu sehen, zu diskutieren, wie das erste halbe Jahr ablief und zu erfahren, wer schon welche Hürden nehmen musste. Leider ;) gab es in dem Kloster „Mzungu-essen“ weshalb wir alle einmal auf unseren heißgeliebten Ugali verzichten mussten :p zu Schade! Das freie Internet und die Duschen haben wir natürlich auch ausgenutzt.

Am Donnerstag, als das Camp vorbei war bin ich dann direkt wieder nach Stella gefahren. Mittlerweile waren alle Kinder eingetroffen und ich kann endlich  wieder richtig schön arbeiten. Ich freue mich sehr, dass ich jetzt eine längere Zeit am Stück, bis April,  im Projekt sein kann.

Jetzt bin ich schon fast ein halbes Jahr hier in Kenia und kann auf wunderschöne 6 Monate zurück blicken und kann sagen, dass ich schon viel erlebt habe. Klar war es nicht immer einfach, aber ich habe aus jeder schwierigen Situation etwas mitgenommen. Ich bin so unendlich froh, dass ich die Chance auf dieses einmalige Jahr bekommen habe und danke allen, die mich auf dem Weg dahin unterstützt haben, und es mir ermöglicht haben. Ich schaue mit großer Vorfreude auf das nächste halbe Jahr, bin gespannt, was mich erwartet und werde die  Zeit mit meinen Kindern und generell hier in Kenia sehr genießen. 

Ich muss jetzt los, Wäsche waschen! Es scheint gerade die Sonne :D Bis vor ein paar Tagen war trocken Zeit hier. Das war total schlimm, wir hatten kein Wasser mehr in den Regentanks, die als Trinkwasser dienen und auch der Brunnen war kaum noch befüllt. Die Kinder hatten also kaum noch Trinkwasser und haben das Brunnenwasser getrunken. Ich bin sehr froh, dass es in den letzten Tagen wieder angefangen hat zu schütten und wir wieder mehr Wasser haben.  Ich wünsche allen eine tolle Woche! Heute gibt es übrigens Githeri zum Mittagessen (Mais mit Bohnen! Mein Lieblingsessen hier), nachdem es jetzt 12 mal hintereinander Ugali mit Sukuma gab :) aber wirklich, es schmeckt mir hier immer gut, und das tolle ist, man wird einfach immer satt :p 

Liebe Grüße aus Kenia :)
Steffi